Datum: 12.05.2016

„Bei der Verbraucherbildung in Berliner Schulen ist mehr möglich“

Fünf Fragen an… Dr. Vera Fricke, Bildungsexpertin beim vzbv

Klassenraum mit Wandtafel und Landkarte - classroom-2093744_1920_wokandapix_-_pixabay.com_cc0

Quelle: (c) Wokandapix - pixabay.com CC0 Public Domain

Für Berliner Schulen gibt es seit einigen Tagen einen „Orientierungs- und Handlungsrahmen für das übergreifende Thema Verbraucherbildung“. Wie der einzuschätzen ist, erläutert Dr. Vera Fricke, Referentin Verbraucherkompetenz im Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv). Fünf Fragen an sie. 

1. Frau Dr. Fricke, macht Berlin jetzt ernst mit der Verbraucherbildung in der Schule? 

Zumindest ein Stück weit. Es ist zunächst sehr erfreulich, dass es für den seit November geltenden Rahmenlehrplan für Berliner Schulen jetzt Vorgaben für die Verbraucherbildung im Unterricht gibt. Und es ist sehr gut, dass sich dieser Orientierungs- und Handlungsrahmen eng an den Empfehlungen der Kultusministerkonferenz zur Verbraucherbildung orientiert und sie teils präzisiert.  

2. Das sieht wie aus? 

Was Schülerinnen und Schüler zum nachhaltigen Konsum, über Medien, Ernährung oder Finanzen lernen sollen, das definiert das Dokument schon recht ausführlich und für unterschiedliche Niveaustufen, ohne die Lehrerinnen und Lehrer in ein zu enges inhaltliches Korsett bei der Unterrichtsgestaltung zu zwängen. Bei Konsumthemen, die sich ja ständig ändern, ist das wichtig. Wir hätten uns in dem Dokument allerdings deutlich mehr Verbindlichkeit gewünscht.

3. Wo fehlt sie?

Dazu, wie der Orientierungs- und Handlungsrahmen umgesetzt werden soll, findet sich nur ein Satz: „Die Schulen stellen sicher, dass pro Doppeljahrgang mindestens je zwei Themen aus den Themenvorschlägen ausgewählt werden“. Das ist ziemlich dünn. Hinzu kommt, dass die Verbraucherbildung nicht prüfungsrelevant ist, beim Mittleren Schulabschluss MSA keine Rolle spielt. Und: Geltung hat der Rahmen eh nur für die Sekundarstufe 1. In der Primar- und Sekundarstufe 2 lernen die Schülerinnen und Schüler weiterhin nicht, wie sie ihren Konsumalltag meistern können. Das sollte dringend nachgebessert werden.

4. Sind die Lehrkräfte denn fit für die Vermittlung dieser Kompetenzen? 

Im Moment gibt es nicht nur in Berlin viel zu wenig Lehrerinnen und Lehrer, die diese Alltagskompetenzen fachkundig vermitteln können. Schlicht weil sie damit in ihrer Ausbildung nicht in Berührung gekommen sind. Deswegen brauchen wir jetzt schnell eine Qualifizierungsoffensive. Offen ist auch wie die Lehrkräfte diese Kompetenzen im Unterricht vermitteln sollen – weil der Orientierungs- und Handlungsrahmen hier keine Querbezüge zu konkreten Fächern herstellt. Nötig wären mindestens Bezüge zum Ankerfach „Wirtschaft-Arbeit-Technik“.

5. Also überwiegen die Schwachstellen? 

Es gibt Schwachstellen, und die sollten nachgebessert werden. Aber es ist sehr gut, dass Berlin die Verbraucherbildung jetzt aufwertet. Angekündigt war allerdings ein Basiscurriculum, kein Orientierung- und Handlungsrahmen. Und mit dieser Umbenennung ist auch Verbindlichkeit verloren gegangen. 

orientierungs-und_handlungsrahmen_verbraucherbildung.pdf

orientierungs-und handlungsrahmen verbraucherbildung.pdf

Orientierungs- und Handlungsrahmen für das übergreifende Thema Verbraucherbildung, April 2016

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